Aktionen der
Werkstatt für Zukunfts-Forschung und Gestaltung
(WZFG) e.V. Berlin-Buch
- Stand: Oktober 2001

Stellungnahme zu Folgen und Konsequenzen der

Terroranschläge auf die USA (Zusammenfassung)

Besorgt beobachten wir, daß viele Reaktionen von Entscheidungsträgern, Medien und Öffentlichkeit auf das Attentat in den USA unserem komplexen steinzeitlichen Verhaltensmuster "Gruppenaggression" entsprechen oder seiner Auslösung bzw. Aufrechterhaltung entgegenkommen. Weil dieses Verhaltensmuster "hochansteckend" wirkt, bei den mehrheitlich "Infizierten" zu einer von ihnen selbst meist unbemerkten Beeinträchtigung von Vernunft und Menschlichkeit führt, weil es die Diskriminierung wertvoller Minderheitsmeinungen bewirkt und durch gesellschaftliche Mittel - insbesondere Massenmedien und Militärapparate - ungeheuer verstärkt wird, kann es ungewollt oder auch mißbräuchlich gewollt in unserer hochgerüsteten, global vernetzten Welt zu verheerenden Folgen führen, durch die ausnahmslos alle an einem Konflikt beteiligten Parteien betroffen sind.

Detaillierte Kenntnis dieses Verhaltensmusters führt uns zu einer kritischen Einschätzung bisheriger Reaktionen von Politik und Öffentlichkeit auf das Attentat: Das Verhaltensmuster hat nach unserer Überzeugung vorschnelle und unangemessene militärische Planungen, Drohgebärden, Solidarisierungen und Aktionen hervorgebracht sowie ein Klima geschaffen, in dem sachliches öffentliches Nachdenken über Ursachen des Geschehens massiv behindert wird. Diese in anfänglicher Verwirrung ausgelösten unmittelbaren Folgen ohne Gesichtsverlust auf das wirklich Sinnvolle und Notwendige zurückzunehmen und zu einer ursächlich greifenden dauerhaften Lösung zu kommen sehen wir als eine echte Bewährungsaufgabe für Politik, Militär, Massenmedien und Öffentlichkeit, die bisher nicht bestanden wurde.

Die Krise enthält die Chance, unsere vor allem aus berechtigter Sicht unterentwickelter Länder undemokratische und ungerechte Weltordnung, von der alle hochentwickelten Länder bisher stillschweigend profitiert haben, als Ursache zu erkennen, die es gewaltbereitem religiösem Fundamentalimus erlaubt, sich mit ganz legitimen sozialen Forderungen zu verbinden. Statt mit kostspieliger militärischer Gewalt zu reagieren, sollten wir die Mittel langfristig besser einsetzen, um durch großzügige, an Demokratisierung und Absage an Terrorismus gebundene Unterstützung einer kulturell eigenständigen Wirtschaftsentwicklung jedem Terrorismus nicht nur die Basis zu entziehen, sondern - im Gegenteil - eine verläßliche Massenbasis dagegen gewinnen. Zum Umgang mit Terrorismus sollte darüber hinaus unter UNO-Kontrolle eine internationale Rechtsordnung geschaffen werden, die auch den Einsatz militärischer Mittel regelt und es betroffenen einzelnen Ländern nicht erlaubt, "federführend" gleichzeitig als Ermittler, Ankläger, Richter und Vollstrecker zu agieren. Terrorismus sollte klar definiert und geächtet werden als Androhung oder Ausführung von Gewaltakten, durch die Menschen für unerwünschte Verhältnisse in Haftung genommen werden, an denen sie als Einzelpersonen unschuldig sind. Diese Definition müßte unterschiedslos für alle Gruppierungen und Länder gelten - aktuell auch für die USA und ihre Verbündeten. Bei der Gestaltung demokratischer Entscheidungsregeln sollte durch hohe Mehrheitshürden die Ansteckungsgefahr durch Gruppenaggression berücksichtigt werden. Eine Bildungsoffensive sollte die Öffentlichkeit gegen die Ansteckungswirkung dieses gefährlichen Verhaltensmusters immunisieren. Politik sollte wegen ihrer besonderen Verantwortung für fahrlässigen oder gar mißbräuchlichen Umgang mit diesem Muster haftbar gemacht werden können.

Hinweise zu Literatur und Informationen zum Verein WZFG e.V.: am Ende der Langfassung.

Zurück zur Startseite